Zwischen Untergrund und Selbstverwaltung
Die Geschichte der Rabotničko-selanski komiteti
von Jana Markoviќ | Veligrad
Als Oberst Borjan Stambolov im Jahr 1929 die Macht übernahm, verschwand die politische Opposition in Pelagonien nicht. Sie verlor ihre Büros, ihre Zeitungen und ihre öffentlichen Versammlungen – aber nicht ihre Anhänger. Arbeitervereine, Gewerkschafter, bäuerliche Gruppen und Studentenorganisationen fanden neue Wege, miteinander in Verbindung zu bleiben. Aus diesem Umfeld gingen die Rabotničko-selanski komiteti (RSK) hervor.
Die Arbeiter- und Bauernkomitees waren keine Partei im herkömmlichen Sinn. Sie besaßen kein zentrales Büro, keinen einheitlichen Vorstand und keine vollständige Mitgliederkartei. Vielmehr entstanden in verschiedenen Städten, Dörfern und Industriegebieten eigene Komitees, die sich über Vertrauenspersonen miteinander verbanden. Gerade diese Form machte die RSK für die Behörden schwer greifbar – und bestimmte zugleich ihren politischen Charakter.
Ihr gemeinsamer Nenner war die Überzeugung, dass politische Freiheit nicht bei der Wahlurne beginnen und am Werkstor enden dürfe. Arbeiter sollten über ihre Betriebe mitbestimmen, Bauern über die Nutzung des Bodens entscheiden können und Gemeinden ihre Angelegenheiten weitgehend selbst verwalten. Die RSK verbanden damit soziale Forderungen mit einem ausgeprägten Misstrauen gegenüber jeder Form politischer und wirtschaftlicher Machtkonzentration.
Von der offenen Opposition in den Untergrund
Die Entstehung der RSK lässt sich nicht auf einen einzelnen Gründungsakt zurückführen. Bereits in den 1920er Jahren bestanden in Pelagonien sozialistische Parteien und Gewerkschaften sowie zahlreiche Arbeitervereine, bäuerliche Selbsthilfeorganisationen und studentische Gruppen. In diesen Milieus wuchs eine politische Strömung, die soziale Reformen nicht allein durch staatliche Gesetzgebung erreichen wollte, sondern auf die Selbstorganisation der arbeitenden Bevölkerung setzte.
Hinzu kam eine ältere Tradition der Komiti. Lokale, teilweise konspirative Zusammenschlüsse waren in der politischen Geschichte Pelagoniens bereits bekannt. Die RSK übernahmen daraus einzelne Organisationsformen und Bezeichnungen, gaben ihnen jedoch eine andere politische Bedeutung. Nicht nationale oder dynastische Ziele standen im Mittelpunkt, sondern Arbeiterrechte, Agrarreform, politische Freiheit und Selbstverwaltung.
Der Staatsstreich Stambolovs veränderte die Situation grundlegend. Oppositionelle Parteien und zahlreiche Vereinigungen wurden verboten und in den Untergrund gedrängt. Aus ehemaligen Parteimitgliedern, Gewerkschaftern, Arbeitervereinen, bäuerlichen Gruppen und Kreisen junger Akademiker entstanden lokale RSK. Die Bewegung verfügte bewusst über keine einheitliche zentrale Führung, sondern blieb ein loses Netz regionaler und lokaler Komitees.
Eine Bewegung ohne Mitgliederliste
Die wichtigste Einheit der RSK war das lokale Komitee. Solche Komitees entstanden vor allem dort, wo bereits Arbeiter-, Bauern- oder Studentengruppen bestanden: in Industrie- und Bergbaustädten, an Eisenbahnknotenpunkten, in größeren Dörfern und in Universitätsstädten.
Ihre Größe war sehr unterschiedlich. Manche Komitees bestanden aus einer kleinen Zahl von Vertrauenspersonen, andere konnten auf ein größeres örtliches Netzwerk zurückgreifen. Überregionale Kontakte wurden vorsichtig geknüpft und häufig nur über einzelne Vermittler aufrechterhalten.
Die Sicherheitsmaßnahmen waren entsprechend streng. Eine zentrale Mitgliederkartei gab es nicht. Auch die lokalen Komitees führten nur selten vollständige Aufzeichnungen. Aktivisten verwendeten teilweise Decknamen und kannten bewusst nicht alle Mitglieder anderer Gruppen. Was für Historiker heute eine erhebliche Schwierigkeit darstellt, war damals eine Frage des persönlichen Schutzes: Eine beschlagnahmte Liste hätte der Polizei zahlreiche Namen liefern können.
Deshalb lässt sich die tatsächliche Größe der RSK heute nur schwer bestimmen. Sicher ist jedoch, dass die Bewegung nicht auf eine einzelne soziale Schicht beschränkt blieb. Gerade ihre Verbindung von städtischer Arbeiterschaft und ländlicher Bevölkerung unterschied sie von vielen anderen oppositionellen Gruppen dieser Zeit.
Arbeit, Land und Selbstverwaltung
Die politische Vorstellung der RSK lässt sich nicht vollständig einer einzigen Richtung zuordnen. In ihren Reihen fanden sich sozialistische, syndikalistische, anarchistische und agrarradikale Auffassungen. Gemeinsam war ihnen vor allem die Ablehnung einer Gesellschaft, in der wirtschaftliche oder politische Entscheidungen dauerhaft von einer kleinen Gruppe getroffen werden.
Die RSK wandten sich gegen die private Kontrolle großer Fabriken, Bergwerke und anderer Betriebe durch Kapitalbesitzer. Gleichzeitig lehnten sie eine vollständig zentralisierte Staatswirtschaft ab. An ihre Stelle sollte eine Form wirtschaftlicher Selbstverwaltung treten.
Fabriken, Bergwerke, Eisenbahnen und größere Betriebe sollten von Arbeiterräten und Gewerkschaften verwaltet werden. Die Beschäftigten sollten über Arbeitsbedingungen, Produktion und die Verwendung der erwirtschafteten Überschüsse mitentscheiden. Dabei ging es den RSK nicht lediglich um eine andere Form des Eigentums, sondern um die Frage, wer im täglichen Wirtschaftsleben tatsächlich Entscheidungen treffen sollte.
Ähnlich verhielt es sich mit der Landwirtschaft. Die RSK forderten eine umfassende Agrarreform und die Aufteilung des Großgrundbesitzes zugunsten landloser Bauern und landwirtschaftlicher Arbeiter. Kleinbauern sollten ihr Land grundsätzlich selbst bewirtschaften können.
Landwirtschaftliche Genossenschaften wurden als freiwillige Form gemeinschaftlicher Produktion unterstützt; eine zwangsweise Kollektivierung lehnten die RSK ab.
Auch politisch war der Gedanke der Selbstverwaltung zentral. Gemeinden und Regionen sollten weitreichende Rechte erhalten. Vorgesehen waren Gemeinderäte, Arbeiter- und Betriebsräte, bäuerliche Selbstverwaltungsorgane und unabhängige Gewerkschaften.
Das bedeutete nicht, dass alle RSK-Mitglieder dasselbe politische Ziel für die Zeit nach dem Sturz der Diktatur hatten. Manche dachten in Richtung einer stark dezentralisierten sozialistischen Ordnung, andere hofften auf eine demokratische Republik mit weitgehender kommunaler und wirtschaftlicher Selbstverwaltung. Gerade diese Unterschiede blieben innerhalb der Bewegung bestehen.
Freiheit als politische Forderung
Die RSK forderten umfassende politische Freiheitsrechte. Dazu gehörten Presse-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, freie Gewerkschaften und allgemeines Wahlrecht.
Die Diktatur Stambolovs wurde als politische Ordnung abgelehnt, in der Entscheidungen von oben getroffen und gesellschaftliche Organisationen durch staatliche Kontrolle eingeschränkt wurden.
Damit verbanden die RSK ihre sozialen Forderungen unmittelbar mit politischen Rechten. Arbeiterselbstverwaltung konnte nach ihrer Auffassung nicht dauerhaft bestehen, wenn Arbeiter sich nicht frei organisieren, versammeln und ihre Interessen vertreten konnten.
Die Narodnozaštitni edinici
Unter den Bedingungen der Diktatur blieb eine solche politische Tätigkeit nicht ungefährlich. Aus den örtlichen Komitees heraus entwickelten sich deshalb die Narodnozaštitni edinici (NZE), die Volksschutzeinheiten.
Die NZE waren kleine, konspirativ arbeitende Schutz- und Aktionsgruppen. Sie waren unmittelbar an die örtlichen RSK-Strukturen gebunden. Je nach Ort konnten sie einem Reonski komitet, einem Gradski komitet oder einem Selski komitet zugeordnet sein. Diese Komitees bestimmten die politischen Ziele und konnten den NZE konkrete Aufträge erteilen.
Eine NZE bestand gewöhnlich aus wenigen Personen. An ihrer Spitze stand ein Vojvoda, dem ein Podvojvoda zur Seite stehen konnte. Die übrigen Mitglieder wurden als Komiti bezeichnet. Diese Bezeichnungen waren keine militärischen Dienstgrade. Vojvoda und Podvojvoda wurden von den Mitgliedern der jeweiligen Einheit gewählt und konnten von ihnen auch wieder abberufen werden.
Die Aufgaben reichten vom Schutz geheimer Versammlungen und der Beobachtung von Polizei und Behörden bis zur Nachrichtenübermittlung und der Unterstützung bei der Verbreitung verbotener politischer Schriften. Einzelne Gruppen führten außerdem Sabotageaktionen gegen Kommunikationsanlagen und andere Einrichtungen der staatlichen Infrastruktur durch.
Dabei handelte es sich nicht um eine einheitliche Untergrundarmee. Die NZE blieben klein, örtlich begrenzt und von den jeweiligen Möglichkeiten ihrer Umgebung abhängig. Eine landesweite Kommandostruktur bestand nicht.
Der Volksaufstand von 1932
Der offene Konflikt erreichte 1932 seinen Höhepunkt. Aus regionalen Streiks und Demonstrationen entwickelten sich in mehreren Städten und ländlichen Gebieten größere Protestbewegungen. Arbeiter, Bauern und Studenten gingen gegen die Militärdiktatur auf die Straße.
Nicht alle Demonstranten verfolgten dabei dieselben Ziele. Während gemäßigte Teilnehmer vor allem die Wiederherstellung politischer Freiheiten verlangten, traten radikale RSK-Mitglieder mit weitergehenden revolutionären Forderungen auf.
Der bekannteste Slogan des radikalen Flügels ist bis heute überliefert:
Смрт на тиранинот, слобода на народот!
Tod dem Tyrannen, Freiheit dem Volk!
In mehreren Orten kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten, NZE-Mitgliedern und staatlichen Sicherheitskräften. Die Regierung setzte Polizei und Militär ein und schlug den Aufstand schließlich gewaltsam nieder.
Nach heutigen Schätzungen kamen dabei etwa 340 Menschen ums Leben. Unter den Todesopfern befanden sich Angehörige der Sicherheitskräfte, bewaffnete Aufständische sowie zahlreiche friedliche Demonstranten, die bei der Niederschlagung der Proteste getötet wurden.
Die Folgen für die RSK waren schwerwiegend. Zahlreiche Aktivisten wurden verhaftet, lokale Komitees zerschlagen und die NZE in den folgenden Monaten weitgehend aufgelöst oder in abgelegene Regionen zurückgedrängt.