
Demokratie ist kein Standortnachteil: Die Trugschlüsse von Progres
Die Verteidigung des MOV-Gesetzes durch Progres offenbart ein technokratisches Zerrbild. Wer internationale Wettbewerbsfähigkeit gegen innerbetriebliche Demokratie ausspielt, hat weder die Funktionsweise moderner Technologiecluster noch das Fundament unserer sozialistischen Republik verstanden.
von Jana Markoviќ | Veligrad
Die Reaktionen aus den Reihen der Regierungspartei Progres auf unsere Analyse des Gesetzes zur Modernisierung und Ordnung der Volksökonomie ließen nicht lange auf sich warten. Aressiniens Präsidentin Jasmina Bajramović wirft der demokratischen Linken „starre ideologische Schranken“ vor. Es wird das Schreckgespenst von „halbvollen Regalen“ und einer mutwillig herbeigeführten „Zwergenhaftigkeit“ severanischer Betriebe an die Wand gemalt. Das zentrale Argument der Befürworter: Nur wenn wir privaten Großbetrieben in den „Innovationszonen“ erlauben, bis zu 2.000 Lohnarbeiter ohne Selbstverwaltung zu beschäftigen, könne Severanien im Jahr 2026 Halbleiterwerke, Logistiknetzwerke und KI-Cluster aufbauen, um sich auf dem „internationalen Parkett“ zu behaupten.
Diese Argumentation klingt pragmatisch, hält jedoch einer genauen Überprüfung nicht stand. Sie verkennt, wie moderne Großprojekte organisiert werden und was echte wirtschaftliche Resilienz ausmacht.
Der Mythos des patriarchalischen Großbetriebs
Die These von Progres, dass Hightech-Industrien wie die Halbleiterproduktion zwingend hierarchische, privatkapitalistische Großstrukturen mit tausenden rechtlosen Lohnempfängern im Inland benötigen, ist ein wirtschaftshistorischer Anachronismus.
Moderne Technologiecluster – seien es Softwareentwicklung, Mikroelektronik oder KI-gestützte Netze – basieren in der Realität des Jahres 2026 längst nicht mehr auf dem Modell der autoritären Riesenfabrik des 19. Jahrhunderts. Sie organisieren sich in hochgradig flexiblen, dezentralen Netzwerken, in denen spezialisierte Einheiten kooperieren.
Wenn die Regierung behauptet, ein Betrieb mit 250 Werktätigen sei zu klein für den Weltmarkt, ignoriert sie die wirtschaftliche Realität. Ein Zusammenschluss von zwanzig autonomen Betrieben zu einem technologieorientierten Kombinat oder einer agilen Holding bündelt dieselbe Wirtschaftskraft wie ein Riesenbetrieb mit 2.000 Angestellten. Innovation entsteht nicht durch die unkontrollierte Macht von Managern oder Privateigentümern, sondern durch die Identifikation der Werktätigen mit ihrem Betrieb. Wer selbst über die Erträge seiner Innovationen entscheidet, investiert nachhaltiger in Forschung und Entwicklung als ein privater Eigner, dessen primäres Ziel die Abschöpfung von Renditen ist.
Souveränität durch Demokratie, nicht durch Anpassung
Progres argumentiert, der Faktor 20 erlaube unseren heimischen Betrieben, „Muskeln aufzubauen, um Severanien wirtschaftlich zu verteidigen“. Doch diese Muskeln sind aus Papier, wenn sie auf der Entmachtung der eigenen Bevölkerung im Produktionsprozess beruhen.
Severanien verteidigt seine wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht dadurch, dass es die Ausbeutungsmechanismen des imperianisch-ratelonischen Kapitalismus im Inland kopiert.
Die wirkliche Modernisierung im Jahr 2026 bedeutet: Cyber-demokratische Vernetzung der Arbeiterräte, vertikale Integration von Genossenschaften zu schlagkräftigen Clustern und der unbedingte Glaube daran, dass komplexe Technologie am besten dort gedeiht, wo freie Menschen jenseits patriarchalischer Hierarchien und staatlicher Bürokratie arbeiten.
Die Autorin ist Redakteurin der Iskra für Parlaments- und Wirtschaftsfragen.