„Nicht weniger öffentliche Verantwortung, sondern bessere Instrumente“
Ivo Lukić im Gespräch mit RT2 über die Debatte zum Finanzwesen
RT2: Dobro veče und herzlich willkommen bei RT2.
Nach einem Bericht von Vinaški Horizont wird in Severanien wieder über wirtschaftliche Öffnungen diskutiert. Demnach soll PROGRES in Vinaši sondieren, ob zentrale Teile eines Gesetzes zur Neuordnung und Modernisierung der severanischen Wirtschaft bereits vor den Ausschussberatungen politisch abgesichert werden können.
Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Rolle Kaysterans. Der frühere PROGRES-Premijer Kovač wurde nach Angaben des Berichts mit dem ehemaligen kaysteranischen Präsidenten und Finanzexperten Ivo Lukić in einem Restaurant in Vinaši gesehen. Offiziell schweigen beide Seiten. Ein Dementi gibt es bislang nicht.
Wir sprechen deshalb mit Ivo Lukić über eine Frage, die über die aktuellen Gespräche hinausweist: Muss Severanien sein Finanzwesen modernisieren?
RT2: Herr Lukić, in Vinaši wird offenbar über Wirtschaftsliberalisierungen gesprochen. Ist das der richtige Zeitpunkt, auch über das Finanzwesen zu reden?
Ivo Lukić: Ja, aber ruhig und sauber. Ne treba žuriti — man sollte dabei nicht springen.
Die öffentliche Verantwortung für das Finanzwesen ist richtig. Sie schützt die Republik und die Bürger. Die Frage ist nicht, ob wir diesen Kern aufgeben. Die Frage ist, ob wir daneben bessere Instrumente brauchen.
RT2: Was meinen Sie mit besseren Instrumenten?
Ivo Lukić: Betriebe brauchen Kapital. Kommunen brauchen Finanzierung. Genossenschaften brauchen verlässliche Kreditwege. Junge Unternehmen brauchen Beteiligungskapital.
Wenn diese Wege zu eng sind, entsteht kein stärkerer Sozialismus, sondern weniger Entwicklung.
RT2: Kritiker würden sagen: Das klingt nach Privatisierung.
Ivo Lukić: Nein. Da müssen wir klar unterscheiden.
Nationalbank, Zahlungsverkehr, Clearing, Einlagensicherung und systemrelevante Banken müssen öffentlich bleiben. To je osnova — das ist die Grundlage.
Daneben kann man aber prüfen, ob kommunale, republikanische, genossenschaftlich-soziale oder gemischtwirtschaftliche Finanzinstitute sinnvoll wären. Auch private Finanzdienstleister können eine Rolle spielen, etwa bei Leasing, Factoring, Kreditvermittlung, Zahlungsdiensten oder Beteiligungskapital.
RT2: Also mehr Markt?
Ivo Lukić: Ich würde sagen: mehr Möglichkeiten unter öffentlicher Verantwortung. Das ist ein Unterschied.
Nicht weniger Staat.
Sondern ein Staat mit besseren Werkzeugen.
RT2: Wo wäre für Sie die Grenze?
Ivo Lukić: Ganz einfach: keine Finanzfreiheit ohne Aufsicht. Keine Spekulation mit den Ersparnissen der Bürger. Keine Privatisierung des öffentlichen Kerns.
Wer Einlagen entgegennimmt oder Bankgeschäfte im eigenen Namen betreibt, braucht eine besondere Lizenz. Wer Finanzdienstleistungen anbietet, muss transparent arbeiten, ausreichend kapitalisiert sein und kontrolliert werden.
RT2: Bräuchte Severanien dafür eine neue Aufsicht?
Ivo Lukić: Wenn man neue Akteure zulässt, ja. Onda mora postojati kontrola — dann muss es Kontrolle geben.
Eine moderne Bundesfinanzaufsicht müsste Zulassung, Eigenkapital, Verbraucherschutz, Geldwäscheprävention, Einlagensicherung und systemische Risiken überwachen.
Ohne Aufsicht wäre Öffnung leichtsinnig. Ohne neue Instrumente kann Stillstand entstehen.
RT2: Ist das ein politischer Vorschlag an die Regierung?
Ivo Lukić: Nein. Ich habe derzeit keine Regierungsverantwortung. Ich äußere mich als Bürger und als jemand, der lange im Finanzwesen gearbeitet hat.
Aber ich halte die Debatte für notwendig.
RT2: Was wäre Ihr Leitsatz?
Ivo Lukić: Kapital ist kein Selbstzweck. Es muss der Gesellschaft dienen.
Den öffentlichen Kern schützen.
Neue Instrumente zulassen.
Kapital in Arbeit, Wohnraum, Betriebe und Entwicklung lenken.
Das wäre aus meiner Sicht der richtige Rahmen.