Beiträge von Iven Marod

    In Pelagonija tritt Hegstrohm & Varda nicht als klassischer Auslandskonzern auf. Da die wirtschaftliche Ordnung des Landes Wert wert auf institutionelle Einbindung, regionale Verantwortung und begrenzte Gewinnabschöpfung legt, ist die Präsenz des Unternehmens entsprechend in eine kooperative Handels- und Versorgungsstruktur überführt, die rechtlich eigenständig ist und sich in bestehende wirtschaftliche Institutionen einfügt.

    Hegstrohm & Varda agiert hier als Dach einer Handelsgenossenschaft unter Steuerung lokaler Akteure. Die Anteile gehören hier weitestgehend den Beschäftigten und kommunalen Trägern, der Konzern schöpft nur minimal Kapital aus dem System ab, vor allem für die Bereitstellung von Infrastruktur und Logistik. Von letzterem fließt wieder der Großteil in die lokale Wirtschaft. Eine dominierende Eigentumsposition des Konzerns ist ausgeschlossen. Gewinne oberhalb definierter Schwellen fließen verpflichtend in Preisstabilisierung, Instandhaltung, regionale Beschaffung, infrastrukturelle Maßnahmen zurück und seltener Marktneugründungen.

    Das Ziel der Märkte und Einbindung in den lokalen Warenverkehr gilt hier vor allem der Präsenz. Der Konzern will sichtbar sein.


    Trotz der kooperativen Außenform bleibt Hegstrohm & Varda operativ prägend bei Logistik, IT-Systeme, Warenflusssteuerung sowie Qualitäts- und Sicherheitsstandards werden konzernseitig bereitgestellt. Diese Leistungen gelten als technische Infrastruktur und verbleiben unter Kontrolle des Konzerns, ohne formell in das Eigentum der lokalen Einheiten überzugehen. Diese Dienste werden an die Kooperativen vermietet und sind die einzige langfristige Wertschöpftung des Mutterkonzerns.

    Entscheidungen werden in gemeinsamen Gremien vorbereitet und formal beschlossen. In der Praxis folgt die operative Ausgestaltung der etablierten Versorgungslogik von Hegstrohm & Varda. Diese Asymmetrie wird akzeptiert, solange Versorgungssicherheit, Preisstabilität und institutionelle Transparenz gewährleistet bleiben.


    Im Unterschied zu anderen Auslandsmärkten verfolgt Hegstrohm & Varda in Pelagonija eine Strategie hoher Sichtbarkeit bei begrenzter Marktmacht. Märkte und logistische Einrichtungen sind klar als kooperative Strukturen gekennzeichnet; Eigentums- und Beteiligungsverhältnisse werden offen kommuniziert.

    Die Zahl der Standorte bleibt bewusst niedrig. Ziel ist die stabile Ergänzung bestehender Versorgungsstrukturen, nicht deren Verdrängung. Lokale Produzenten werden systematisch eingebunden, auch wenn dies höhere Kosten oder geringere Effizienz bedeutet. Sortimente sind weniger standardisiert, Anpassungen häufiger regional geprägt.


    Nach innen wie außen agiert der Konzern in einer diversitätsfreundlichen, zugänglichen und inklusiven Praxis. Barrierefreiheit, neutrale Ansprache und trans Rechte sind Standard. Diese Standards gelten konzernweit, unabhängig von lokalen gesellschaftlichen Debatten. Dies ist das zweit Ziel dieses Projekts und führte in mehreren Auslandsmärkten zu politischen Spannungen und Boykottaufrufen, die der Konzern bewusst in Kauf nahm und nicht kommentierte.

    Die Exterritorialität der Heimat, wird hier leider nicht durchgesetzt werden können. Dafür sind die Plakate irgendwie roter und haben mehr Sternchen.